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MedicalLearning – Blog zur Zukunft der medizinischen Information

Gaming in der Rehabilitation

06. Mai 2024

Im dritten und letzten Teil unserer DMEA-Nachlese geht es um spielerische Ansätze in der orthopädischen und neurologischen Rehabilitation. Auch bei der Rehabilitation und der darauf folgenden Nachsorge schreitet die Digitalisierung voran.

Rehabilitationskliniken bieten digitale Nachsorge mit einer App an, die neben Vorträgen und Schulungsangeboten auch physio- und ergotherapeutisches Training umfasst. Dazu wird für die Patienten ein individueller Trainingsplan erstellt und innerhalb von Trainingsgruppen immer weiter angepasst. Eigentraining wird somit auf ein neues Level gehoben und nachvollziehbar gemacht. Darüber hatten wir vor einigen Wochen schon berichtet (Link: https://www.arztcme.de/medicallearning/digitalisierung-von-reha-und-nachsorge-therapie-mittels-app/)

Auf der DMEA war jetzt deutlich zu sehen: Immer häufiger halten dabei spielerische Elemente Einzug in die Anwendungen. Ziel ist, so die Motivation zu fördern. Viele Menschen sind engagierter bei Aufgaben, wenn sie Spaß dabei haben und das kann sich positiv auf den Therapieverlauf auswirken. Dieses Vorgehen wird als Gamification bezeichnet.

Das wachsende Interesse an der Anwendung von Gamification im Kontext der Rehabilitation ist auf mehrere Entwicklungen zurückzuführen. Dazu gehören die schlechte Compliance vieler Patienten bei konventioneller Behandlungen, der Anstieg der Kosten und der ungleiche Zugang zu solchen Gesundheitsressourcen.

Gamification kann Herausforderungen in Form von Quests, Punkten, Levels, Bestenlisten und Abzeichen beinhalten, die Anreize schaffen und das Selbstmanagement von Menschen erleichtern. Das gilt generell für das Management chronischer Erkrankungen, in besonderem Maß aber auch für die Rehabilitation. Diese Art von Technologie wird zunehmend in verschiedenen Bereichen eingesetzt.

Ein Metaanalyse hatte bereits 2016 den Einsatz von Videospielen in der motorischen Rehabilitation untersucht [1]. Sie umfasste 126 Studien, in denen diese Technologie bei verschiedenen klinischen Erkrankungen eingesetzt wurde (z. B. Zerebralparese, Parkinson-Krankheit, Alterungsprozess, zerebraler Gefäßunfall). Die Autoren wiesen darauf hin, dass Gamification in diesem Bereich im Vergleich zur Standardtherapie ähnliche Ergebnisse liefert und als ergänzende Behandlung in der Rehabilitation verschiedener Erkrankungen gute Ergebnisse zeigt, da sie die Patienten motiviert und ihnen ermöglicht, zu Hause aktiv zu bleiben. Ein Review von 2022 bestätigte das [2].

Übungen, die in der muskuloskelettalen Rehabilitation eingesetzt werden, können mit Virtual Reality, Augmented Reality, Telerehabilitation oder Gamification durchgeführt werden, die in der Regel für Patienten attraktiv sind. Spiele stellen die Patienten vor neue Herausforderungen und bieten dem Therapeuten ein breiteres Spektrum an Ressourcen für die Therapie, was die Rehabilitation zu einem dynamischen und attraktiven Prozess macht.

In der neurologischen Rehabilitation müssen solche Produkte zudem speziell auf die eingeschränkten Fähigkeiten der Patientengruppe zugeschnitten werden. Solche Anwendungen begleiten die Rehabilitation, indem Patienten beispielsweise Übungen im Rahmen des Spiels durchführen. Die Nutzung am Smartphone kann dabei durch die Eingliederung von Sensoren zur Erkennung von Bewegungen ergänzt werden, etwa Balance Boards.

Der österreichische Anbieter Human & Digital stellte dazu ein Rehabilitationsframework vor, das als zentrale Plattform agiert. Zusätzliche Anreize wie Badges sollen bei der Erreichung individuell definierbarer Rehabilitationsziele helfen. Durch Integration von Sensoren können Patienten dort zum Beispiel trainieren, wie man nach einem Schlaganfall Dinge des täglichen Lebens wieder ausführen lernt.

 

Text und Bild: Reinhard Merz

Abgebildete Anwendungen: Human & Digital GmbH

 

  • Bonnechère B et al. The use of commercial video games in rehabilitation: a systematic review. Int J Rehabil Res. 2016; 39: 277–290
  • Alfieri FM et al. Gamification in Musculoskeletal Rehabilitation. Curr Rev Musculoskelet Med 2022; 15: 629-636

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