Zertifizierte CME-Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte. CME-Punkte sammeln. Kostenfrei. service@arztcme.de

MedicalLearning – Blog zur Zukunft der medizinischen Information

Warum Vertrauen zur neuen Währung der medizinischen Informationssuche wird

29. Juni 2026

KI verändert die medizinische Informationssuche – doch je mehr Kanäle entstehen, desto wichtiger wird Vertrauen. Der coliquio Facharztreport 2026 zeigt, warum künftig vor allem verlässliche Einordnung statt bloßer Informationsfülle gebraucht wird.

Noch nie waren medizinische Informationen so leicht verfügbar – und zugleich so schwer einzuordnen. Fachmedien, Fortbildungsangebote, Newsletter, Ärztenetzwerke, soziale Medien und inzwischen auch KI-Chatbots konkurrieren um Aufmerksamkeit. Für Ärztinnen und Ärzte stellt sich dadurch immer weniger die Frage, wo Informationen zu finden sind. Entscheidend wird vielmehr, welchen Informationen sie im Alltag vertrauen können.

Genau an diesem Punkt setzt der Facharztreport 2026 von coliquio an. Unter dem Titel „Trust-Shift: Wie Vertrauen als neue Währung den Kanalmix verändert“ untersucht der Report, wie sich das ärztliche Informationsverhalten im Kontext von KI, digitalem Wandel und Generationenunterschieden verändert. Befragt wurden 1.340 Ärztinnen und Ärzte. Die Ergebnisse zeigen: Der ärztliche Alltag ist von einem deutlichen Information Overload geprägt. Fast jede zweite befragte Person nennt das Herausfiltern relevanter Informationen als zentrale Herausforderung. Hinzu kommt eine neue Unsicherheit: 40 Prozent der Befragten sehen die Einschätzung der Verlässlichkeit von KI-Informationen als akutes Problem.

Damit verschiebt sich der Blick auf medizinische Informationskanäle. Die bisher oft verwendete Unterscheidung zwischen analog und digital greift zu kurz. Entscheidend ist nicht mehr allein der Kanal, sondern der konkrete Bedarfsmoment. Wenn im Praxis- oder Klinikalltag schnelle Antworten gefragt sind, werden niedrigschwellige und jederzeit verfügbare Angebote genutzt. Geht es dagegen um vertiefendes Wissen, Einordnung oder Fortbildung, bleiben strukturierte Formate, Fachliteratur, Webseminare und Kongresse wichtig – allerdings zunehmend als bewusst ausgewählte Wissensphasen, für die Ärztinnen und Ärzte aktiv Zeit schaffen müssen. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel beim Blick auf die Generationen. Während ältere Ärztinnen und Ärzte weiterhin häufiger etablierte Fachmedien, Printangebote und klassische Informationswege nutzen, greifen jüngere Kolleginnen und Kollegen stärker auf digitale, interaktive und KI-gestützte Quellen zurück. Für sie ist nicht in erster Linie die Menge der verfügbaren Informationen das Problem, sondern die knappe Zeit. Zugleich begegnen jüngere Ärztinnen und Ärzte digitalen Kanälen insgesamt mit einem höheren Vertrauensvorschuss.

Der Report macht jedoch klar: Häufige Nutzung ist nicht gleichbedeutend mit hoher Vertrauenswürdigkeit. KI-Chatbots und soziale Medien sind im ärztlichen Alltag angekommen, werden aber deutlich kritischer bewertet als klassische Fachquellen, kollegialer Austausch oder etablierte Ärztenetzwerke. Für Vertrauen zählen vor allem fachliche Korrektheit, transparente Quellenangaben und ein klar erkennbarer, kompetenter Absender. Damit wird Vertrauen zur eigentlichen Währung der Kanalrelevanz. Sichtbarkeit allein reicht nicht mehr aus; entscheidend ist, ob Inhalte nachvollziehbar, evidenzbasiert und fachlich eingeordnet sind.

Eine zentrale Rolle behält der kollegiale Austausch. Therapieentscheidungen, Behandlungsstrategien und Zweitmeinungen zu konkreten Patientenfällen gehören zu den wichtigsten Themen im ärztlichen Gespräch. Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass der persönliche Austausch im Kontext von KI künftig noch wichtiger wird. KI ersetzt den Dialog im Fachkreis also nicht. Im Gegenteil: Je mehr automatisiert generierte Informationen verfügbar sind, desto stärker wächst der Bedarf an menschlicher Einordnung, fachlicher Erfahrung und vertrauenswürdigen Filterinstanzen.

Für die medizinische Fortbildung und die fachliche Kommunikation ergibt sich daraus eine klare Aufgabe. Ärztinnen und Ärzte brauchen keine zusätzliche Informationsflut, sondern Orientierung. Gefragt sind Formate, die schnell erfassbar sind, aber bei Bedarf in die Tiefe führen; Inhalte, die wissenschaftlich fundiert sind, aber zugleich den praktischen Nutzen im Versorgungsalltag deutlich machen; und Angebote, die transparent zeigen, auf welchen Quellen und welcher Expertise sie beruhen.

Auch für die Industrie formuliert der Facharztreport konkrete Erwartungen. Ärztinnen und Ärzte wünschen sich vor allem wissenschaftlich fundierte, transparente und praxisnahe Informationen. Genannt werden unter anderem kompakte Evidenzformate, kuratierte Updates, gut zugängliche Webportale, On-Demand-Fortbildungen sowie konkrete Tools und Hilfsmittel für den Praxisalltag. Reine Produktkommunikation verliert dagegen an Bedeutung. Pharmaunternehmen werden stärker als Servicepartner gefragt, die Orientierung ermöglichen, anstatt lediglich Botschaften zu senden.

Quelle: coliquio Facharztreport 2026: Trust-Shift: Wie Vertrauen als neue Währung den Kanalmix verändert. Befragung von 1.340 Ärztinnen und Ärzten auf coliquio per Online-Fragebogen; Befragungszeitraum: 20.01. bis 20.02.2026.

Text: Redaktion arztCME

Bild: Open AI für arztCME

Weitere Beiträge …

ePA – was geht auf der Dauerbaustelle?

ePA – was geht auf der Dauerbaustelle?

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist nicht mehr Zukunftsmusik. Aber so richtig in der Versorgung angekommen ist sie auch noch nicht. Ein Vor-Ort-Bericht von der Dauerbaustelle.   Seit...

mehr lesen