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    KI trifft Versorgungskrise: Patienten werden selbstständiger

    22. Juli 2026

    Gesundheitssysteme stehen unter Druck. Nicht nur in Deutschland. Eine Pharmafirma hat in einer repräsentativen Umfrage untersucht, wie die Bürger Europas damit umzugehen gedenken.

    Nur 56 Prozent der Befragten sind demnach mit der aktuellen Versorgung zufrieden, 42 Prozent sehen ihre Erwartungen nicht erfüllt. Deutschland liegt mit 63 Prozent über dem europäischen Durchschnitt, immerhin. Zwei Drittel nennen Fachkräftemangel und lange Wartezeiten als größte Herausforderung. Hinzu kommen Defizite bei Bezahlbarkeit, Prävention und psychischer Gesundheit.

    Das war zu erwarten, spannender ist der Blick nach vorn. Die Menschen reagieren mit wachsender Eigeninitiative. 78 Prozent sind überzeugt, ihr Wohlergehen selbst im Griff zu haben. Acht von zehn nutzen mindestens ein Hilfsmittel, um ihre Gesundheit zu beobachten. Doch dieses Empowerment hat Grenzen: Nur 22 Prozent trauen sich zu, die Vielzahl verfügbarer Informationen sicher einzuordnen, während sich 46 Prozent davon überfordert fühlen. Besonders betroffen sind Menschen mit schlechter psychischer Gesundheit.

    In diesem Spannungsfeld gewinnt KI rasch an Bedeutung. Bereits 55 Prozent setzen sie im Gesundheitskontext ein. Die Mehrheit würde eine medizinische Beratung durch KI erwägen, und nahezu jeder Zweite vertraut KI-generierten Diagnosen bereits oder wäre dazu bereit. KI wird damit zum Instrument der Selbstinformation und Entscheidungsunterstützung – gerade dort, wo professionelle Beratung nicht zeitnah erreichbar ist.

    Ein Ersatz für medizinische Fachkräfte ist sie dennoch nicht. Für 77 Prozent bleiben Hausärzte und andere Gesundheitsdienstleister die wichtigste Einflussquelle bei Gesundheitsentscheidungen. Auch Apotheken behalten ihre Rolle als niedrigschwellige Anlaufstellen. Zwar würden 62 Prozent einer reinen Online-Apotheke zumindest teilweise vertrauen, vollständig auf eine digitale Lösung setzen jedoch nur 13 Prozent.

    Glaubt man den Daten, ist in Zukunft ein hybrides Versorgungsmodell gefragt: KI ermöglicht schnellen Zugang zu Informationen und unterstützt Entscheidungen. Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte ordnen Ergebnisse ein, erkennen Risiken und übernehmen Verantwortung. Der zentrale Rohstoff dieser Transformation bleibt Vertrauen.

    Quelle: STADA Health Report 2026

     

    Text: Reinhard Merz
    Bild: OpenAI für arztCME

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