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MedicalLearning – Blog zur Zukunft der medizinischen Information

Jenseits der KI: Extended Reality in der medizinischen Fortbildung

13. April 2026

Auch Extended Reality (XR) gewinnt an Bedeutung: VR, AR & Co. könnten die ärztliche Fortbildung nachhaltig verändern – vor allem dort, wo Lernen erlebbar wird.

In den vergangenen Monaten hat sich auch die Berichterstattung – auch im MedicalLearning-Blog – stark auf ein Thema konzentriert: Künstliche Intelligenz. Das ist nachvollziehbar, denn KI verändert derzeit in rasantem Tempo Diagnostik, Therapieplanung und medizinische Entscheidungsprozesse. Gleichzeitig existiert jedoch auch ein zweites technologisches Feld, das für die ärztliche Fortbildung zunehmend an Bedeutung gewinnt: Extended Reality (XR), also die Kombination aus Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Mixed Reality (MR). Eine aktuelle systematische Übersicht von Siddiqui et al. (2025) liefert hierzu einen fundierten Überblick und analysiert auf Basis von 21 Studien aus den Jahren 2021 bis 2024 den Einsatz von XR in medizinischer Ausbildung und Versorgung . Auch wenn die Autorenschaft nicht aus klassischen internationalen Spitzenzentren stammt, ist die Arbeit methodisch sauber durchgeführt und stützt sich auf internationale Evidenz. Gerade für die Einordnung aktueller Entwicklungen ist sie daher gut geeignet.

Was beim Blick in die Ergebnisse deutlich wird: XR ist weit mehr als ein technisches Experiment. Die Technologien ermöglichen es, digitale Inhalte direkt mit der realen Umgebung zu verknüpfen und schaffen damit eine neue Qualität des Lernens. Anatomische Strukturen lassen sich dreidimensional erkunden, Eingriffe realitätsnah simulieren und komplexe klinische Situationen beliebig oft trainieren – ohne Risiko für Patientinnen und Patienten. Besonders in der chirurgischen Ausbildung, im Notfalltraining und in der Anatomievermittlung zeigen sich klare Vorteile. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Vorteile weniger im klassischen Wissenszuwachs liegen. Die analysierten Studien zeigen vielmehr, dass XR vor allem Motivation, Zufriedenheit und Selbstvertrauen der Lernenden deutlich steigert, während der Kompetenzgewinn gegenüber traditionellen Lehrmethoden häufig vergleichbar bleibt . Für die Fortbildung ist das ein relevanter Aspekt: Nachhaltiges Lernen hängt wesentlich vom Engagement der Teilnehmenden ab – und genau hier scheint XR anzusetzen.

Auch über die Ausbildung hinaus ergeben sich interessante Perspektiven. XR kann in der Operationsplanung eingesetzt werden, indem komplexe anatomische Strukturen als 3D-Modelle visualisiert werden. Intraoperativ lassen sich zusätzliche Informationen einblenden, in der Telemedizin entstehen realitätsnähere Interaktionen, und in der Patientenaufklärung können komplexe Sachverhalte verständlicher vermittelt werden. Besonders spannend wird es dort, wo XR auf KI trifft: Während KI große Datenmengen analysiert und Entscheidungsgrundlagen liefert, macht XR diese Informationen visuell erfahrbar. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung realistisch betrachtet noch in einem frühen Stadium. Die Kosten für Hardware und Infrastruktur sind hoch, die Integration in bestehende Abläufe ist anspruchsvoll, und die Studienlage ist teilweise heterogen. Zudem stammt ein Großteil der Evidenz aus Ländern mit hoher Ressourcenverfügbarkeit, was die Übertragbarkeit einschränkt . Auch das viel diskutierte „Metaversum“ hat zuletzt an Dynamik verloren – ein Hinweis darauf, dass nicht jede technologische Vision unmittelbar in der Praxis ankommt.

Dennoch sollte XR nicht vorschnell als vorübergehender Trend eingeordnet werden. Für die ärztliche Fortbildung eröffnet sich hier eine Entwicklung, die über klassisches E-Learning hinausgeht. Während bisher vor allem Wissen vermittelt wurde, rückt zunehmend das praktische Erleben in den Vordergrund: das sichere Trainieren klinischer Situationen, das intuitive Verstehen komplexer Zusammenhänge und das wiederholbare Üben ohne Risiko. Für Plattformen wie arztCME ergibt sich daraus perspektivisch eine interessante Erweiterung. Immersive Lernformate könnten bestehende Angebote sinnvoll ergänzen und insbesondere praktische Inhalte stärker abbilden. Entscheidend wird dabei sein, XR nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung etablierter Fortbildungsformate zu verstehen.

Text: Redaktion arztCME

Bild: Open AI für arztCME

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