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    Wie schlagen sich DiGAs im Alltag?

    08. November 2026

    2025 wurden in Deutschland rund 695.000 Freischaltcodes für digitale Gesundheitsanwendungen eingelöst. Das waren 63 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch was passiert nach dem Freischalten?

     

    Wer eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) verordnen möchte, findet im BfArM-Verzeichnis die Indikation, den Listungsstatus und Informationen zur Evidenz. Wie die Anwendung auf dem Handy aussieht und was sie den Patientinnen und Patienten im Alltag abverlangt, lässt sich aus dem Eintrag schwerer ablesen. Genau da setzen die DiGADocs an. Die Hamburger Ärzte Maximilian Lüders, Lars Lomberg und Felix Schellenberger probieren die Anwendungen selbst aus. Ihre Videos und Screenshots zeigen, wie die Programme aufgebaut sind, welche Übungen anstehen und wie man sich bei Fragen Hilfe holt.

    Die Ärzte Zeitung beschreibt, wie das Team in seiner Praxis vorgeht. Interessierte können sich die Anwendung zunächst anhand der Videos und Bildschirmaufnahmen ansehen und sich danach für eine Verordnung entscheiden. Dabei kommen ganz praktische Dinge zur Sprache. Ist die Schrift gut lesbar? Gibt es bei technischen Problemen jemanden, den man fragen kann? Und passt das Übungsprogramm überhaupt in den Tagesablauf? Die Hamburger planen außerdem vor Ablauf der Nutzungszeit ein Gespräch ein. So lässt sich klären, ob die Anwendung zum Einsatz kam, was sie gebracht hat und wo es gehakt hat (Link).

     

    Was zeigen die Studien?

    Auf dem DGGG-Kongress 2026 stellte die Gynäkologin Pia Wülfing, Gründerin der DiGA-App PINK! Coach vor, Anwendungen für die FGynäkologie vor. PINK! begleitet Patientinnen mit Brustkrebs während der Behandlung und in der Nachsorge. Sie übersetzt Themen wie Bewegung und mentale Gesundheit in kleine Tagesaufgaben. In einer randomisierten Studie mit 434 Teilnehmenden fiel der PHQ-9-Wert für depressive Symptome nach zwölf Wochen im Mittel um rund 1,6 Punkte stärker als in der Wartelisten-Kontrollgruppe mit üblicher Versorgung (Link).

    Bei der Endo-App verbesserte sich die endometriosespezifische Lebensqualität nach zwölf Wochen im Mittel um rund zehn Punkte mehr als in der Wartelisten-Kontrollgruppe, gemessen auf der 100-Punkte-Skala EHP-5. Für den Alltag gibt es inzwischen auch Daten aus einer freiwilligen In-App-Befragung. Die antwortenden Nutzerinnen berichteten nach drei sowie nach sechs bis sieben Monaten im Mittel weniger Schmerzen als zu Beginn. Nach sechs bis sieben Monaten lagen allerdings nur noch von 55 Nutzerinnen Antworten auf zumindest einen Teil der Fragen vor. Ohne Vergleichsgruppe und mit freiwilliger Teilnahme bleibt offen, wie viel der Veränderung auf die App zurückgeht und wie repräsentativ die Antworten sind.

     

    Und nach dem Freischalten?

    Von den seit 2020 bis Ende 2025 ausgegebenen Freischaltcodes wurden laut GKV-Spitzenverband 82 Prozent eingelöst. Damit lässt sich der Einstieg beziffern. Wie regelmäßig die Versicherten danach übten und wie es ihnen dabei ging, beantwortet die Zahl der Freischaltungen allein kaum. Seit Juli 2026 müssen Hersteller dauerhaft gelisteter DiGAs für die anwendungsbegleitende Erfolgsmessung Nutzungsdaten erheben. Ab 2027 sollen Angaben zur Zufriedenheit und zum selbst berichteten Gesundheitszustand hinzukommen.

    Für die Sprechstunde lässt sich die Frage schon heute konkreter stellen. Was soll sich bis zum nächsten Termin verändern? Bei einer Patientin mit Endometriose kann das zum Beispiel heißen, den eigenen Schmerzverlauf besser einzuschätzen und herauszufinden, welche Übungen ihr an belastenden Tagen helfen. Beim nächsten Termin lässt sich dann besprechen, welche davon sie tatsächlich in ihren Alltag übernommen hat und ob sie ihr etwas bringen.

    Text: Reinhard Merz
    Bild: OpenAI für arztCME

     

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