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Digitalisierung im Gesundheitswesen: 5 Chancen, 5 Fallen

17. März 2026

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird seit 20 Jahren als zentraler Hebel für Effizienz, bessere Versorgung und mehr Patientenorientierung positioniert. Doch wo stehen wir heute? Heise online ist dieser Frage nachgegangen.

Zur Zeit vergeht kein Kongress, bei dem nicht mindestens eine große Plenarsession sich dem Thema KI widmet. Das war so beim Deutschen Krebskongress (Link) im Februar in Berlin, beim FoKo vorletzte Woche in Düsseldorf und bei Der DERM letzte Woche in Frankenthal. Und immer stellt sich die Frage: Wie sind Nutzen, Risiken und soziale Folgen abzuschätzen? Und wohin geht die Reise? Heise online hat den aktiuellen Stand in 5 Punkten zusammengefasst (Link).

Punkt 1: Die elektronische Patientenakte (ePA). Klares Statement dazu. Sie bleibt aktuell weit hinter den Erwartungen zurück. Trotz Nutzen im Einzelfall tüberwiegen geringe Nutzbarkeit, unvollständige Inhalte und eine bislang schwache Einbindung vieler Leistungserbringer. Noch haben längst nicht alle Versicherten einen Zugang, trotzdem soll die ePA politisch zu einer zentralen Gesundheitsplattform mit zusätzlichen Funktionen wie Ersteinschätzung und Terminmanagement ausgebaut werden.

Punkt 2: Die digitale Patientensteuerung mittels KI. Systeme zur strukturierten medizinischen Ersteinschätzung sollen helfen, Patientinnen und Patienten gezielter in die Versorgung zu lenken und Fehlsteuerungen zu reduzieren. Doch auch dorthin ist der Weg noch weit. Die Ergebniss hängen stark von den Eingaben der Nutzenden ab, können manipulierbar sein und bergen das Risiko, soziale Ungleichheiten zu verstärken (Link). Besonders kritisch wird der Einsatz großer Sprachmodelle in der Triage gesehen, da diese Notfälle nicht zuverlässig erkennen.

Punkt 3: Die KI-gestützte Dokumentation. Das Ziel ies hier, Behandelnde zu entlasten. Sprachaufzeichnungen aus dem Sprechzimmer könnten automatisch transkribiert und strukturiert zusammengefasst werden. Das wirft Fragen nach Datenschutz, Abhängigkeit von externen Technologieanbietern und der Qualität der Arzt-Patienten-Kommunikation auf.Wird die Akzeptanz sinken, wenn Gespräche aufgezeichnet und cloudbasiert verarbeitet werden? Hier könnte relativ schnellst echter Nurtzen entstehen.

Punkt 4: KI in diagnostischen und therapeutischen Prozessen. Hier sind wir zum Teil schon am Ziel angekommen, etwa in der Radiologie, der Pathologie oder bei robotischen Verfahren. Problematisch bleibt, dass Patientinnen und Patienten oft kaum einschätzen können, in welcher Form KI tatsächlich eingesetzt wird. Ungleichheiten könnten entstehen, wenn die Kostenübernahme für innovative KI-Leistungen durch die gesetzlichen Kassen ausbleibt.

Punkt 5: Eigenverantwortung und KI-gestützte Selbstinformation. Hier ist die Schere schon sehr weit geöffnet. Digitale Gesundheitscoaches können im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, ersetzen aber weder Gesundheitskompetenz noch strukturelle Prävention. Wer über geringe digitale oder sprachliche Kompetenzen verfügt, fällt hier klar durchs Raster.

Das Fazit von Heise online: Der Nutzen digitale Gesundheitstechnologien hängt entscheidend davon ab, wie sie implementiert, sozial begleitet und gerecht zugänglich gemacht werden. Und hier gibt ein Blick auf die letzten 20 Jahre leider wenig Grund zum Optimismus. Wenn Digitalisierung bestehende Versorgungsungleichheiten aber nicht abbaut, sondern weiter verschärft, stehen uns politisch unruhige Jahre bevor.

Text. Reinhard Merz
Bild: chatGPT für arztCME

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