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Ambient AI Scribing: Schräger Begriff, coole Technologie

01. Februar 2026

Anfang der Woche ging es um die ärztliche Wissensarbeit, heute geht es um das Arzt-Patienten-Gespräch. Ambient AI Scribing wird Kommunikation und Dokumentation nachhaltig verändern.

 

Unter Ambient AI Scribing versteht man KI-basierte Systeme, die klinische Gespräche zwischen Behandelnden und Patientinnen oder Patienten kontinuierlich („ambient“, also im Hintergrund) erfassen, semantisch analysieren und automatisiert in strukturierte medizinische Dokumentation überführen.

Im Gegensatz zur klassischen Spracherkennung handelt es sich nicht um eine aktive Diktatlösung, sondern um eine kontextuelle, dialogbasierte Dokumentation in Echtzeit. Als möglicher deutscher Begriff bietet sich sowas wie „KI-basierte Hintergrunddokumentation“ an. Ziel dieser Technologie ist es, den administrativen Dokumentationsaufwand zu reduzieren, ohne den klinischen Workflow oder die Arzt-Patient-Interaktion zu unterbrechen.

Zugegeben: In Deutschland kämpfen wir aktuell noch mit anderen Problemen unserer elektronischen Patientenakte (ePA). Vorletzte Woche hatte ich mal wieder bei meinem Hausarzt angefragt, wann wir denn zur Erstbefüllung meiner ePA schreiten könnten. Klare Info: Dazu braucht es noch ein Update auf unserem Praxisverwaltungssystem (PVS). Und wann das eingespielt wird, wissen wir noch nicht. Ich gehe optimistisch mal davon aus, dass das noch 2026 sein wird. Und vielleicht sprechen wir dann 2027 auch bei uns über Ambient AI Scribing.

Das hat sich in kurzer Zeit von einer innovativen Nischenlösung zu einem breit eingesetzten Instrument der klinischen Dokumentation entwickelt. Andernorts zumindest. Ziel dieser Systeme ist es, Arzt-Patient-Gespräche in Echtzeit zu erfassen, zu strukturieren und in klinische Notizen zu überführen. Studien zeigen eine signifikante Reduktion des Dokumentationsaufwands, eine Entlastung der Ärztinnen und Ärzte sowie eine Verbesserung der Patientenerfahrung.

Doch trotz dieser Erfolge steht die Technologie aktuell an einem Wendepunkt. Denn was bislang als eigenständiges Produkt wahrgenommen wurde, wird zunehmend zu einem nativen Bestandteil der PVS und ePAs. So wie PDF-Darstellung irgendwann aus einer eigenen Applikation direkt in den Browser gewandert ist. Irgendwann wird das sicher auch bei uns so sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Aus medizinisch-ökonomischer Sicht heißt das: Weg von der reinen Transkriptionsqualität, hin zur Generierung strukturierter, interoperabler Daten. Perspektivisch können Ambient-Daten sogar in autonome, agentenbasierte Systeme einfließen, die Kodierungen vorschlagen, Abrechnungsrisiken erkennen und Prozesse eigenständig anpassen.

Was das für Gesundheitseinrichtungen aller Art bedeuten könnte, hat McKinsey in einem lesenswerten Beitrag zusammengefasst (Link).

Text: Reinhard Merz
Bild: Gemini Nano Banana für arztCME

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