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    Die KI greift zum Rezeptblock

    26. Oktober 2026

    In Utah darf eine künstliche Intelligenz erstmals selbst Aknemedikamente verschreiben. Ein Pilotprojekt, das grundsätzliche Fragen zur Zukunft des Arztberufs aufwirft.

    Was bislang Ärzten vorbehalten war, übernimmt in den USA erstmals eine KI: Der Bundesstaat Utah hat dem Unternehmen Nolla Health erlaubt, eine Anwendung zur eigenständigen Behandlung leichter bis mittelschwerer Akne zu erproben.

    Patienten fotografieren ihr Gesicht, beantworten Fragen zu ihrer Krankengeschichte und erhalten anschließend eine KI-gestützte Diagnose und gegebenenfalls ein Rezept. Zugelassen sind ausschließlich bestimmte äußerlich anzuwendende Aknemedikamente. Schwere Krankheitsverläufe und Risikopatienten sind ausgeschlossen. Der zunächst auf ein Jahr begrenzte Versuch erfolgt unter ärztlicher Aufsicht. Anfangs kontrollieren zwei Ärzte jede Verordnung. Später sollen Rezepte ohne vorherige ärztliche Freigabe ausgestellt und nur noch nachträglich oder stichprobenartig überprüft werden. Voraussetzung sind positive Sicherheitsergebnisse und die Zustimmung der Aufsichtsbehörde.

    Die medizinische Aufgabe ist bewusst überschaubar gewählt. Doch entscheidend ist nicht die Behandlung der Akne, sondern das Prinzip: Erstmals darf ein KI-System im Rahmen eines staatlich genehmigten Versuchs eigenständig eine medikamentöse Therapie einleiten. Für Patienten könnte das kürzere Wartezeiten und einen unkomplizierten Zugang zur Behandlung bedeuten. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach Fehldiagnosen, übersehenen Begleiterkrankungen und der Haftung bei Behandlungsfehlern.

    In Deutschland wäre eine solche autonome Verschreibung derzeit nicht zulässig. Die Bundesärztekammer betont ausdrücklich, dass die Verantwortung für Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie beim Arzt bleiben muss.

    Noch ersetzt die KI keinen Dermatologen. Aber Utah erprobt eine neue Grenze zwischen ärztlicher Entscheidungsunterstützung und eigenständigem medizinischem Handeln.

    Quellen:

    1. Utah Department of Commerce (2026): AI Authorized Pilots – Nolla Health. Staatliche Genehmigung und Rahmenbedingungen des Pilotprojekts.
      https://commerce.utah.gov/ai/regulatory-relief-4/authorized-pilots/
    2. Nolla Health (05.10.2026): Nolla Health Launches the Nation’s First AI-Powered Prescriptions, Starting in Utah.
      https://www.nollahealth.com/blog/ai-prescriptions-utah
    3. Thubron R. (06.10.2026): Utah will become first state to let AI examine patients and prescribe medication without direct human oversight. TechSpot.
      https://www.techspot.com/news/114111-utah-become-first-state-ai-examine-patients-prescribe.html
    4. Bundesärztekammer (2025): Von ärztlicher Kunst mit Künstlicher Intelligenz. Stellungnahme zum Einsatz von KI in der Medizin und zur ärztlichen Verantwortung.
      https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/BAEK/Politik/Programme-Positionen/Von_aerztlicher_Kunst_mit_Kuenstlicher_Intelligenz_27.05.2025.pdf
    5. Bundesministerium der Justiz: Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), § 2 – Anforderungen an die Verschreibung von Arzneimitteln.
      https://www.gesetze-im-internet.de/amvv/__2.html

    Text: Redaktion arztCME
    Bild: OpenAI für arztCME

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