Heute startet der DGGG-Kongress 2026 in München. Er zeigt: Forschung und Digitalisierung verändern die Frauenheilkunde. Damit wird die Vermittlung verlässlichen medizinischen Wissens immer wichtiger.
Patientinnen informieren sich heute über soziale Medien, Gesundheits-Apps und KI-Chatbots – oft schon vor dem Praxisbesuch. Mehr Information bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Orientierung. Unter dem Motto „Unsere Zukunft mit Wissenschaft – Die Frau im Blick“ stellt der 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in München eine grundlegende Frage: Wie kommt wissenschaftliche Evidenz tatsächlich bei den Patientinnen an?
Neue Erkenntnisse, neues Krankheitsverständnis
Ein Beispiel ist die Umbenennung des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS) in Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Der neue Begriff betont auch in Richtung der Patientinnen, dass es sich nicht allein um eine ovarielle Störung handelt, sondern um eine komplexe endokrin-metabolische Erkrankung mit metabolischen, kardiovaskulären und psychischen Risiken. Aufklärung und Beratung in der Gyn-Praxis müssen diesen ganzheitlichen Blick widerspiegeln.
Bei der Prävention des Zervixkarzinoms kommt es ebenfalls auf gute Kommunikation an. HPV-Impfung und organisiertes Screening ergänzen sich, ihre Möglichkeiten und Grenzen müssen aber verständlich erklärt werden. 2025 waren nur 54 % der 15-jährigen Mädchen in Deutschland vollständig gegen HPV geimpft – da ist noch viel Luft nach oben. Evidenzbasierte Impfberatung bleibt daher eine zentrale Aufgabe.
Wissen in Entscheidungen übersetzen
Zyklus-Apps und Wearables erleichtern die Selbstbeobachtung, ersetzen aber weder eine medizinische Diagnose noch eine zuverlässige Verhütungsmethode. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können dagegen bei Indikationen wie Endometriose oder Brustkrebs die Versorgung zwischen Arztterminen sinnvoll ergänzen.
Auch KI eröffnet Chancen – muss aber differenziert bewertet werden. In der deutschen PRAIM-Studie stieg bei KI-unterstützter Mammographie-Doppelbefundung die Brustkrebs-Entdeckungsrate von 5,7 auf 6,7 pro 1.000 Untersuchungen. Ob dadurch langfristig bessere klinische Ergebnisse erzielt werden, ist noch offen. Gerade die Unterscheidung zwischen Studienbefund und belegtem Patientinnennutzen kennzeichnet gute medizinische Information.
Der DGGG-Kongress 2026 zeigt damit: Die Zukunft der Frauengesundheit wird nicht allein von Innovationen bestimmt. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch zu prüfen, verständlich zu vermitteln und gemeinsam mit den Patientinnen einzuordnen. Im Informationszeitalter wird aus medizinischem Wissen erst durch gute Kommunikation eine Grundlage für mehr Frauengesundheit.
Text und Bild: Reinhard Merz



